Michael Ertlmeier und Tim Voggenreiter: Sie stehen mit ihren Stundenleistungen an der Spitze einer langen Liste von Personen, deren Engagement ein eindrückliches Friedenssymbol Wirklichkeit werden ließ.
Es ist vollbracht! Rund 30 Kunstschmiede aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden haben an einem „freiwilligen Arbeitswochenende“ vom 10. bis 13. April in der Werkstatt von Michael Ertlmeier im oberbayerischen Ascholding die weltweit dritte Brücke der Freundschaft vollendet. Die Friedensskulptur wird im Rahmen der 7. Schmiede-Biennale vom 7. bis 10. August in Kolbermoor bei Rosenheim feierlich eingeweiht. Ein Rück- und Vorausblick von Tobias Schumacher
Fast drei Jahre sind vergangen, seit Metallgestalter Michael Ertlmeier die ersten Entwurfszeichnungen für die Brücke zu Papier gebracht hatte. Es folgten technische CAD-Zeichnungen fürs Laserschneiden, nach Feierabend realisiert vom Architekten Werner Mock, einem Freund Ertlmeiers, ein erster Modellbau im Maßstab 1:10, bei dem Schmiedekollege Josef Still aus Kolbermoor im Vorfeld der Schmiedebiennale 2006 mithalf, und dort dann der Kraftakt von über 200 Kollegen aus aller Welt, die ersten Zierstäbe zu schmieden.
Als größter „Arbeitsbrocken“ entpuppte sich jedoch die Suche nach einem Sponsor, der die vier Tonnen Stahl bereitstellen sollte und wollte, die Ertlmeier für das Traggerüst seiner Friedensskulptur eingeplant hatte. Anfragen bei weltweit operierenden Stahlkonzernen verliefen im Sande, wurden missmutig abgetan oder blieben gänzlich unbeantwortet; eigentlich unbegreiflich, stellt man deren Jahresumsätze und Gewinne neben die 5000 Euro, die die angefragten vier Tonnen Stahl wert sind!
Vor diesem Hintergrund ist nach zweijähriger Suche um so bemerkenswerter, wer letztlich den gordischen Knoten des Stahlmangels durchschlagen hat: Tim Voggenreiter, ein mittelständischer Metallbauer und Stahlhändler aus Gelting bei Geretsried in Oberbayern. Ihn konnte Michael Ertlmeier für die Brückenidee so begeistern, dass er nicht nur den Stahl stiftete, sondern selbst kräftig mit Hand anlegte, damit die Schmiede im April ihr Friedenswerk vollenden konnten. Fast 200 Stunden hat Voggenreiter nach Feierabend mit Schweißarbeiten zugebracht, damit das Grundgerüst rechtzeitig zum Arbeitswochenende fertig wurde. Bei Ertlmeier stehen inzwischen über 400 Stunden zu Buche.
„Die habe ich gerne investiert“, sagt er im Rückblick, nicht zuletzt, weil seine Werkstatt rund um die Vollendungstage im Fokus der Öffentlichkeit stand. Süddeutsche Zeitung und Münchner Merkur berichteten ausführlich, ein Vertreter der Münchner Gesellschaft für Handwerksmessen schaute ebenso vorbei wie Vertreter fast aller Sponsoren, die neben den Schmieden wertvolle Beiträge geleistet haben. Zu nennen ist die Firma Secamus aus Geretsried, die das Laserschneiden übernahm, vom Fachhandel Füger, ebenfalls Geretsried, stammen alle Schrauben und Befestigungsanker. Die Mündersbacher Firma EWM Hightec Welding stellte für das Arbeitswochenende ein 2000 Euro teures Schweißgerät zur Verfügung, von der Firma Rhodius Schleifwerkzeuge in Burgbrohl kam Schleifmaterial im Wert von über 500 Euro. Die beiden letztgenannten Partner hatte Stefan Elgaß mit ins Boot geholt, Chefredakteur der Zeitschrift „metallbau“, die das Brückenprojekt neben HEPHAISTOS unterstützt und promotet. Zuletzt ist die Niederlassung der Nürnberger Wiegel-Gruppe in Eching bei München zu nennen, die die komplette Brücke im Herbst feuerverzinken wird.
Nach drei Arbeitstagen von der Früh bis spät in die Nacht wurde für alle Beteiligten am Samstagabend in der Werkstatt von Michael Ertlmeier groß aufgetischt. Das Bankett bot die Möglichkeit, neue Brücken zu schlagen zwischen den Schmieden und ihren Unterstützern, ein Dia-Vortrag veranschaulichte dazu allen Gästen und Medienvertretern noch einmal die weltweite Strahlkraft der Idee von „Brücke-der-Freundschaft-Vater“ Manfred Bredohl. Von den Schmiedemeistern wurde bei dieser Gelegenheit besonders hervorgehoben, dass auch zwei Auszubildende und eine Schülerin beim Brückenbau „ihren Mann“ gestanden haben: Thomas Höckner, der bei Johann Reif in Moosburg lernt, Johannes Mock, der Sohn des CAD zeichnenden Architekten und ebenfalls ein Schmiedelehrling, sowie die Abiturientin Carina Sappl, die bei Ertlmeier immer wieder in der Werkstatt mitarbeitet.
„Schön wäre, wenn wir die Brücke samt Stäben zum Schluss noch lackieren könnten“, hofft Michael Ertlmeier auf weitere Unterstützer. Er denkt zum einen an eine Klasse einer Berufsfachschule des Maler- und Lackiererhandwerks, die mit Hand anlegt. Dazu müsste noch ein Farbenhersteller gefunden werden, der mit rund 100 Litern Metalllack der Friedensskulptur ihr endgültig schmückendes Kleid verleiht.
Dies wird allerdings erst im Herbst aktuell. Zuvor wird die Brücke im „Rohzustand“ an ihren Bestimmungsort in Kolbermoor gebracht (wobei wieder Tim Voggenreiter mit seinem Sattelschlepper im Einsatz ist), dort aufgebaut und feierlich eingeweiht – bestückt mit den fast 200 kunstvoll geschmiedeten Geländerstäben und Zierelementen, die Metallgestalter aus aller Welt seit der Biennale 2006 vollendet haben. Und auch 2008 sollen aus den Biennale-Feuern in Kolbermoor noch weitere hinzukommen.
Bei allen Mitstreitern hat die erfolgreiche Umsetzung des Friedensprojektes für große Zufriedenheit und Begeisterung gesorgt – und augenscheinlich sogar Appetit auf noch mehr gemacht: „Als die Brücke endlich fertig bei mir im Hof stand, kam Tim Voggenreiter und sagte: "Die nächste Brücke bauen wir noch ein Hauseck größer!", erzählt Michael Ertlmeier. Auch er hätte nichts dagegen.